Eisenloffel . Sattler + Partner




V. Dick
(Projektleitung, Bauleitung Rohbau, Entwurfsplanung Tiefgeschosse, Abriß und Umbau)
in Specht, Kalleja + Partner GmbH
Ludwig-Erhard-Haus


Modellfoto
Berlin
(Baubeginn 1994 / Eröffnung 1998)

Nutzfläche: 22.000 m2
Bauherr: Industrie und Handelskammer zu Berlin
Architekt: Nicolas Grimshaw & Partners


Grundrisse:
(Bauwelt 1998, Heft 44)

Entwurf
Als Kommunikations- und Servicezentrum der Berliner Wirtschaft entsteht in zentraler Lage ein futuristisches Gebäude nach archaischem Vorbild: Das Berliner Gürteltier.
Der Londoner Star Architekt Nicolas Grimshaw überzieht sein Gebäude bestehend aus drei Gebäuderiegeln und zwei Lichthöfen vollständig mit einer gerippten Haut aus Stahl und Glas. Die Realisierung des kühnen Entwurfs bedingt das Aufhängen der neun Obergeschosse an 15 Stahlbögen um ein zweigeschossiges stützenfreies Foyer mit Ausstellungsflächen, freitragender Galerie und einem Restaurant zu erhalten.











   










Tragwerk und Bauablauf
Das Haupttragwerk des Gebäudes entspricht einer vielgeschossigen Bogenbrücke. Die 15 ungleichen Bögen sind dabei bis zu 38m hoch und überspannen bis zu 62m freitragend. Die Bögen gründen an den Gebäudeflanken auf Pfahlkopfplatten mit bis zu vier Großbohrpfählen. Zwischen den Bogenfüßen liegen die wasserdicht ausgebildete Tiefgeschosse die mit Auftriebsankern gegen den dauernden Sohlwasserdruck gesichert werden müssen. Um eine Betriebsunterbrechung der Berliner Börse zu verhindern, ist das Tragwerk in zwei Bauabschnitten herzustellen. Im 1. Bauabschnitt werden neun Bögen errichtet während auf der Grundfläche des 2. Bauabschnitts der alte Börsensaal in Betrieb bleibt. Der Umzug der Berliner Börse in den fertiggestellten 1. Bauabschnitt gibt den Börsensaal zum Abriß frei. Der Fertigstellung des 2. Bauabschnitts folgt der Umbau des bestehenden IHK-Gebäudes.

Tiefgeschosse und Oberbau
Auch die 'Weiße Wanne' der Tiefgeschosse muß dem Bauablauf entsprechend in zwei Bauabschnitten hergestellt werden. Zwischen dem 1. und dem 2. Bauabschnitt liegen zwei Jahre während der die Setzungen des 1. Bauabschnitts weitestgehend abklingen. Die Fuge zwischen 1. und 2. Bauabschnitt ist so zu konstruieren, daß sie die Setzungen des 2. Bauabschnitts ermöglicht und trotz des drückenden Grundwassers dicht bleibt.
Die Aufnahme der Bogenschubkräfte zwischen den Bogenfußpunkten erfolgt im 1. Bauabschnitt über Spannglieder in der obersten Tiefgeschoßdecke. Im 2. Bauabschnitt ist diese Decke durch den Konferenzsaal und ein Wasserbecken vollständig aufgelöst.
 
Die Bogenschubkräfte werden hier stattdessen nach dem 'Nußknackerprinzip' über die mittlere Tiefgeschoßdecke in die Sohle gehebelt.
Die Lastwege (und damit auch die Dehnwege) des an den Bögen hängenden Oberbaus sind außergewöhnlich lang. Die Verformungen der Geschoßdecken des Oberbaus nehmen von oben nach unten stetig zu. Die Großbohrpfähle an den Gebäudeflanken setzen sich stärker als die Gebäudemitte. Die Tiefgeschosse werden mittig aufgewölbt. Im Erdgeschoß treffen die Verformungen des hängenden Oberbaus und die entgegengerichteten Verformungen der gestauchten Tiefgeschosse aufeinander. Um Fugen der Ausbauelemente und Anschlüsse der Haustechnik sachgerecht konzipieren zu können, sind die enormen Verformungsdifferenzen für jeden Standort im Flächenraster des Erdgeschosses vorherzubestimmen.